Heimatliche Exoten mit verwegenen Namen

Kennen Sie das Coburger Fuchsschaf oder Bunte Bentheimer Schwein? Falls ja, gehören Sie zu einem erlesenen Kreis von Heimattier-Kundigen und somit zu einer ebenso bedrohten Art wie die genannten Tiere selbst.

Warum in die Ferne schweifen?

Bald wissen wir hierzulande mehr über den Sibirischen Tiger als das Alpine Steinschaf. Der prächtige Jäger prangt auf Werbeplakaten für Umweltschutz, während das Schaf ein Schattendasein führt. Diese Missachtung ist bedrohlich. Denn was wir nicht kennen, schützen wir nicht. (Art-)typisch Mensch. Dabei haben Tiere mit exotisch klingenden Namen wie Brillen- und Alpines Steinschaf, Glan- und Limpurger Rind, Angler und Deutsches Sattelschwein – um nur wenige extrem gefährdete Arten zu nennen – Unglaubliches geleistet. Die Züchter auch. Ihre Tiere passten zu Region und Klima. Heute passen Landwirte die Region den Tieren an, bauen klimatisierte Ställe und halten nur noch einige wenige Hochleistungsrassen. Gleichzeitig stirbt alle zwei Wochen eine Nutztierrasse aus und die Welt wird um robuste und landestypische Rassen ärmer, verliert ein genetisches Erbe und ein Kulturgut zugleich.

Von Archen und Typen

In Deutschland stehen über 100 Namen auf der „Roten Liste der gefährdeten Nutztierrassen“. Diese Liste pflegt die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH), die sogar die Arche als Projekt neu erfand. Ziel des Arche-Projektes: bedrohte Rassen in der Landwirtschaft zu halten und bekannter zu machen. So gibt es heute deutschlandweit über 90 Archen, Bauernhöfe und ganze Dörfer, in denen die alten Rassen leben und von interessierten Menschen besucht werden. Wirksame Öffentlichkeitsarbeit bedeutet in diesem Fall Arterhaltung. Wenn Sie eine Arche besuchen wollen, finden Sie sie hier: http://www.g-e-h.de/.

Bunte Schafe bald groß in Mode

Zugegeben, auf vielen Laufstegen der Welt wurden sie noch nicht gesehen, die Jacken, Westen, Pullover, Haus- und Handschuhe aus der Wolle alter Schafrassen, die nicht nur wollweiße, sondern auch braune, beige, graue und schwarze Wolle geben. Aber das ist nur noch eine Frage der Zeit. Nathalie Ketterle hat die Vermarktung der Kollektion der Vielfalt übernommen und schon viel erreicht: Mussten vor wenigen Jahren Schafzüchter die Wolle nach der Schur wegwerfen, weil sie keine Abnehmer fanden, so können sie sie jetzt in die Kollektion geben, wo sie zu Walk- und Filzstoff verarbeitet wird. Die Produkte sind von einem robusten Chick, strahlen Wärme und Beständigkeit aus und sind treue Begleiter durch alle und zahlreiche Jahreszeiten. Im BUNDladen finden Sie eine kleine aber feine Auswahl.